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Die "Pille" erhöht das Risiko für eine
Fehlgeburt
Auszug
aus Text: F.A.Z., 23.06.2005, Nr. 143 /
Seite 36
22. Juni 2005 Ein
Drittel aller erwachsenen Frauen im
gebärfähigen Alter nimmt die
Antibabypille ein. Sie ist das häufigste
Arzneimittel in dieser Altersgruppe.
Eine der drängendsten Fragen, die die
Frauen ihrem Arzt oder in einschlägigen
Internetforen stellen, lautet: Kann ich
nach Absetzen der Pille ohne
Schwierigkeiten Kinder bekommen?
Bislang gab
es keine Hinweise, daß dem nicht so sein
könnte. In der jüngsten Ausgabe der
amerikanischen Fachzeitschrift „Fertility
and Sterility” (Bd. 83, S. 1864) weisen
spanische Ärzte jetzt aber auf ein
möglicherweise erhöhtes Risiko für
Fehlgeburten nach Pilleneinnahme hin.
Ungünstiger Einfluß
Sie haben
die Vorbehandlung von 150 Patientinnen,
die eine Fehlgeburt erlitten hatten,
analysiert und mit 150 Gebärenden
verglichen, deren Kinder nach der 37.
Schwangerschaftswoche lebend geboren
worden waren. Die - aus welchen Gründen
auch immer - gewollt herbeigeführten
Schwangerschaftsunterbrechungen waren
bei der Untersuchung nicht
berücksichtigt worden, um das Ergebnis
nicht zu verfälschen.
Es stellte
sich heraus, daß das Risiko einer
Fehlgeburt im Vergleich zur
pillenabstinenten Kontrollgruppe gut
zweieinhalbmal so hoch ist, wenn die
Frauen vor der Schwangerschaft länger
als zwei Jahre hormonell verhütet hatten.
Lag die Dauer der Einnahme unter zwei
Jahren, war kein höheres
Fehlgeburtsrisiko zu befürchten. Zwar
nahm, wie aus anderen Beobachtungen
bekannt ist, auch in der vorliegenden
Untersuchung mit dem Alter die Anzahl
der Fehlgeburten zu. Allerdings blieb
der ungünstige Einfluß der Antibabypille
über alle Altersgruppen hinweg
nachweisbar.
Rückbildung der Gebärmutterschleimhaut
Eine
Erklärung für diese Beobachtungen gibt
es bisher nicht. Die Forscher vermuten,
daß die unter dem Hormoneinfluß
hervorgerufenen Veränderungen der
Gebärmutterschleimhaut eine Rolle
spielen. Obwohl es die
unterschiedlichsten Formen der
hormonellen Verhütung gibt, beruhen sie
alle im Prinzip darauf, den Eisprung zu
verhindern. Es wurde immer postuliert,
daß dadurch ein der Einnistung
abträgliches Milieu in der
Gebärmutterschleimhaut entsteht. Käme es
wider Erwarten doch zu einem Eisprung,
würde dem befruchteten Ei das Anwachsen
erschwert.
Erst
unlängst haben italienische Forscher für
diese Hypothese einen Hinweis gefunden
(”Eur. J. Ostet. Gynecol.”, Bd. 104, S.
73). Als denkbare Auslöser einer
Fehlgeburt werden sowohl eine veränderte
Zusammensetzung der immunologischen
Faktoren als auch die Atrophie oder
Rückbildung der Gebärmutterschleimhaut
unter der Pille diskutiert.
Einschränkung der Fruchtbarkeit
Ein
erkennbares Zeichen für diese
Rückbildung ist das Ausbleiben der
Blutung, wie es unter der Pille zu
beobachten ist. Als weiterer
Einflußfaktor für Fehlgeburten gilt die
Protein-C-Resistenz, die häufigste
erblich bedingte Neigung zur vermehrten
Blutgerinnselbildung. Man weiß, daß die
Pille dieses Leiden verstärkt und daß
der Nachweis einer Protein-C-Resistenz
mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko
einhergeht.
Interessant
in diesem Zusammenhang sind
Beobachtungen, wonach die langjährige
Einnahme der Pille auch mit einer
vorübergehenden Einschränkung der
Fruchtbarkeit verbunden ist. Es gibt
Hinweise, daß es um so länger dauert,
schwanger zu werden, je länger zuvor
verhütet wurde.
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